PETER WEBER - STRUKTUREN DER FALTUNG

Filz, Stahl, Papier

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„Peter Weber. Ganzheit als Prinzip“, ein Film von Bernhard Kreutzer, 2016:

Peter Weber und die Kunst des Faltens

Seit den frühen 1990er Jahren widmet Peter Weber (*1944) sein gesamtes künstlerisches Schaffen dem Spezialgebiet der Faltung und hat diese Technik zu einer virtuosen Meisterschaft entwickelt. In der bildenden Kunst ist das Falten eine selten angewandte Technik, kein anderer Künstler arbeitet in dieser Konsequenz und Intensität mit dieser Methode. Die Faltung ist zu Peter Webers Stil und Markenzeichen geworden.
Das Falten ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit, sie beschreibt den Vorgang, eine zweidimensionale Fläche ohne Schnitte in eine kleinere, dreidimensionale Einheit zu transformieren. Diese Arbeitsweise entspricht dem holistischen Lebensprinzip des Künstlers, der vom Gedanken der Ganzheit fasziniert ist. Beim Falten erfährt das Ausgangsmaterial eine Metamorphose, ohne dass der Werkstoff zerstört oder beschnitten wird, er bleibt in seiner Gesamtheit erhalten. Betrachtet man Peter Webers komplexe Faltgebilde, so steht man dieser Tatsache oft skeptisch gegenüber. Denn seine Werke sind keine einfachen Gebilde, sondern vielschichtig vernetzte geometrische Strukturen, denen jeweils ein umfangreicher Entwurfs- und mathematischer Planungsprozess vorausgeht.
Im Unterschied zu anderen Künstlern, die das Ergebnis ihres Schaffensprozesses stets vor Augen haben, arbeitet Peter Weber auf der Rückseite seiner Werkstücke. Hier bringt er alle Konstruktionslinien auf und bereitet die Faltung durch das Nuten des Materials vor. Nach Abschluss des gesamten Faltprozesses, der aufgrund der Vernetzung der Strukturen in einem Zug passieren muss, tritt erst mit dem Wenden die Sichtseite zutage. Hier zeigt sich, wie entscheidend eine achtsame Planung ist, denn jeder minimale Berechnungsfehler eines Winkels oder eine unstimmige Maßeinheit verfälschen das Ergebnis und haben Auswirkungen auf die gesamte Komposition.
Immer wieder überrascht Peter Weber mit einem neuen Formen- und Materialrepertoire. Neben Papier, Leinwand, Kunststoff und Metall arbeitet er seit vielen Jahren mit industriell hergestelltem Filz. In jüngster Zeit sind Edelstahl und 640 Gramm schweres Papier hinzugekommen. Jeder Werkstoff hat seine eigene Charakteristik und verlangt nach individueller Bearbeitung. Jede Faltung ergibt in einem anderen Material auch ein völlig anderes Erscheinungsbild. So bestimmen die jeweiligen Eigenschaften des Werkstoffs den künstlerischen Schaffensprozess und haben bei der Entwicklung der Bildkonstruktion wesentlichen Anteil. Papier oder Karton sind zwar einfach zu falten, dennoch sind es heikle Materialien, da sie keine Fehler tolerieren. Ein mehrere Zentimeter dicker Filz verlangt dem Künstler hingegen heftigen körperlichen Einsatz ab. Das Zähmen des festen Stoffes bringt den Künstler zwar oft an die Grenze des Machbaren, verleiht der realisierten Bildidee aber eine umso höhere Spannung.

Die Kunst von Peter Weber ist durch einen höchst individuellen Stil und eine Arbeitsweise charakterisiert, die sich niemals nur auf Ergebnisse und Errungenschaften verlässt, sondern stets in unbekanntes Terrain vorzudringen sucht. Diese Haltung speist sich nicht allein aus seiner künstlerischen Erfahrung und seinem handwerklichen Können, sondern wird vor allem von seinem Wunsch getragen, komplizierte Sachverhalte der Gestaltung zu lösen. Peter Weber versteht es, das Konstruktive der Konzeption und das Konkrete des Materials in äußerst poetischer Weise zu verschränken. Mit den vielfältigen Möglichkeiten seiner ungewöhnlichen Faltprozesse und dem Alphabet der geometrisch abstrakten Kunst kommt er zu Bildfindungen von hoher ästhetischer Wirkung. Peter Weber erreicht damit nicht nur eine Erweiterung der Konkreten Kunst, sondern reiht sich ein in die Riege der innovativsten Vertreter dieser Richtung.

Gerda Ridler, Dezember 2020



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